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Weihnachten, Kinder, ist nicht nur ein Datum. Es ist ein Seelenzustand.
(Mary Ellen Chase)
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Auch Bilder erleben einiges … :
wie sie entstehen, was ihnen zustößt, welche Reaktionen sie auslösen … was aus ihnen wird, wo sie schließlich daheim sind …
Einige Geschichten meiner Bilder möchte ich hier erzählen. Immer wieder mal wird eine neue dazu kommen.
Hier sind erst einmal drei :
1. Nächtliche Begegnung
2…. zurückbekommen
3. Marschlied
28.10.09
Nächtliche Begegnung
Nach einem Aufenthalt in Venedig malte ich auch einige Impressionen davon. Überall in Venedig hingen ja Masken herum … Zwar begegnete ich niemandem in einer Maske dort. Aber eine solche Begegnung konnte ich mir gut vorstellen …
Damals, im Jahr 2002, malte ich noch ganz anders als heute (siehe frühere Aquarelle). Es entstand das folgende Bild:
Dieses Bild blieb bisher ohne Titel .
Inzwischen lernte ich durch khnemo eine Bildbearbeitungstechnik kennen, die zweidimensionalen Bildern eine dritte Dimension hinzufügt. Im Schwarz-Weißmodus bietet sich das besonders an. Und genau dieses Venedig-Bild schien dafür geeignet! khnemo machte sich sogleich an die Arbeit und das Ergebnis kann man nach einem Klick auf das Bild sehen. Auf khnemo’s Seite wird das noch etwas größer gezeigt! Für die Wahrnehmung des 3D-Effekts ist allerdings eine entsprechende Brille (rot-cyan) erforderlich.
Dieses „farblose“ Bild hat inzwischen einen Titel von mir bekommen :
„Nächtliche Begegnung“.
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17.11.09
… zurückbekommen
Für einen guten Zweck Bilder versteigern, die von Künstlern gespendet wurden … Was für eine gute Idee! Jedenfalls war ich gleich Feuer und Flamme, als mir dies eines Tages von einer wohltätigen Organisation vorgeschlagen wurde. Ich schickte also ein Bild dorthin.
Die Bilder sollten ausgestellt und auf einer Benefiz-Kunstauktion versteigert werden.
Das wollte ich mir selbst alles ansehen. Aber was war ich enttäuscht, als ich die Ausstellung sah!
200 Bilder, oft ohne Rahmen, dicht nebeneinander, alle Stile vertreten, groß und klein, durcheinander lagen sie da auf Tischen, standen an Tischbeinen oder waren an Fenster gelehnt. Es gab sogar einen Tisch mit Stofftieren.
Die Bilder sollten ohne Rahmen verkauft werden.
Das alles erinnerte mich eher an einen Trödelmarkt als an eine Ausstellung …
So geschickt auch durch die Auktion geführt wurde, es wurde nur zu Anfang mehr geboten als die angegebenen Mindestpreise. Schon bald konnte man die Bilder 10% billiger erwerben und bei mehreren Käufen auch Rabatte verbuchen. Als all das nichts mehr half, wurden die von den Künstlern angegebenen Mindestpreise um 50% unterschritten! Und ich hatte davon geträumt, dass Reichtümer für die Bilder geboten werden würden! Stattdessen entwickelte sich alles zum Schnäppchenmarkt.
Mein Bild als Schnäppchen? Nein! …Ich kaufte es zum halben Preis zurück … mit Rahmen.
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03.12.09
Marschlied

(MMZ, 03.12.09, Foto: afp)
Gestern hat der amerikanische Präsident Obama vor jungen Soldaten die Aufstockung der Truppen in Afghanistan bekannt gegeben. Auf dem Foto sieht man einige Gesichter der jungen Zuhörer. Welche Gefühle drücken sie wohl aus?
Im Irakkrieg veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift Newsweek Tagebucheinträge junger Soldaten im dortigen Einsatz. Hier kamen die Gefühle von Angst, Überforderung und Entsetzen klar zum Ausdruck. Leider habe ich mir diesen Artikel nicht aufgehoben. Aber ich kann hier das Triptychon Marschlied (2008) zeigen, das ich daraufhin gemalt habe, um das Gelesene zu verarbeiten.
Besonders ein Tagebucheintrag ließ mir damals keine Ruhe: Ein junger Soldat schrieb über seine Ängste, selbst zum Opfer zu werden und er fügte hinzu, dass er aus lauter Angst auf alles schießt, was sich bewegt .
Das Dilemma des Krieges, dieses manchmal unvermeidliche Übel, das nicht nur um sich herum alles zerstört, sondern auch Seelen kaputt macht, das habe ich versucht, darin auszudrücken.

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Ob man einem Kunstwerk begegnet sei, meinte der metaphysisch nicht leicht erregbare Paul Valéry, erkenne man daran, ob es einen im Zustand der Inspiriertheit zurücklässt. Wir antworten mit Widerschein.
(Botho Strauß, in der derzeitigen Ausstellung „Thomas Demand“, Neue Nationalgalerie, Berlin)
Immer wieder bin ich so betroffen oder berührt von einer Ausstellung, einem Konzert, oder einer anderen kulturellen Veranstaltung, dass ich danach als Nachklang ein Bild davon male, um das Erlebte besser zu verarbeiten. Meist steht der Anlass dann nur auf der Rückseite des Bildes. Der Titel lautet dagegen häufig anders. Im Grunde ist mein Triptychon Vom Licht zum Licht (auf der Seite Bildthemen) so entstanden. Ich malte es nach dem Besuch der Münchner Ausstellung des Lichtkünstlers Dan Flavin. (Auf den Bezug zur Musik werde ich ein anderes Mal eingehen). Diese Bildwidmungen verschwinden dann meist ungesehen in der Schublade. Dabei wollen Bilder doch angeschaut werden. Das will ich hier auf dieser Seite möglich machen.
Eine Hommage an Manfred Wagner
Sterben müssen, 2009
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Im letzten November starb der Heimertinger Maler Manfred Wagner. Für mich kam das völlig überraschend.
Hatte ich mich doch erst im April 2008 auf meiner Ausstellung Licht, Farbe, Klang länger mit ihm unterhalten, ohne dass ich Anzeichen von Alter oder Krankheit entdeckt hätte! Ich war so erschüttert über die Nachricht seines Todes, dass ich dies in einem Bild, einer Art Hommage an den Künstler, ausgedrückt habe (auf das obige Bild klicken, dann wird es sichtbar). Dieses Jahr habe ich dann das Bild Sterben müssen (s.o.) stark verändert gemalt, nachdem ich in Sontheim erneut eine Ausstellung mit seinen Bildern und einen Film über ihn gesehen hatte. Manfred Wagner beeindruckte mich nicht nur durch seine freundliche, aufgeschlossene Art, sondern seine Bilder berührten mich auch durch ihre geistige Dimension sehr.
Der Künstler sagte über seine Malerei:
„Alles ist aufeinander bezogen, und nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch zwischen Menschen und Tieren und Pflanzen und dem Mineralbereich und allem, was der Kosmos in sich beherbergt. So versuche ich in meinen Bildern, diese energetischen Zusammenhänge sichtbar zu machen.“
„Wagner konstatiert nicht nur einen „Verlust der Mitte“, sondern den Verlust der Lebensgrundlagen. Insofern sind seine Bilder zum einen Zustandsbeschreibungen, zum anderen Ausblick in andere Dimensionen des Seins: Visionen.“
(beide Zitate aus: Manfred Wagner, Energie, Form, Dimensionen, Entwürfe für ein neues Zeitalter, S.11)
Weitere Bildwidmungen werden auf dieser Seite folgen. Aber ich finde es angebracht, wenn ich erst einmal nur ihm diese Seite widme; denn sein Tod jährt sich jetzt im November. Ich wünsche ihm sehr, dass sein Name im Gedächtnis bleibt und seine „Visionen“ immer mehr Anklang finden.



Früher malte ich jahrelang Aquarelle.
Auf dieser Seite möchte ich ein paar Bilder aus dieser Zeit vorstellen:
Es handelt sich hier vor allem um Landschaften, die ich nach Wanderungen und Reisen malte.

Seenlandschaft, 1989
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Ich ließ draußen alles lange auf mich wirken, sog es förmlich ein und angefüllt davon, machte ich mich dann daheim an die Arbeit. Dabei erfand und „komponierte“ ich meine Bilder ganz neu.
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Winterbraun, 1989
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Die Aquarelltechnik entsprach meinem vorsichtigen Herantasten an die Malerei sehr. In den ersten Bildern herrschten auch die sanften, fließenden Farben vor:
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Felsenküste, Bretagne, 1991
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Über Land, Normandie, 1991
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Diese Bilder wollten gefallen, Freude wecken, Erinnerungen wach rufen, Bekanntes wieder aufleben lassen und das taten sie meist auch .
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Birken, auch in Schottland, 1997
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Inzwischen aber wurden die Farben immer kräftiger, die Formen gewagter:
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An Nordspaniens Küste, 1993
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Ein schmerzlicher Verlust in meinem Leben brachte mich immer häufiger zur Beschäftigung mit Lebensthemen:
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Weggestorben, 1994
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Trauer, die man Schritt für Schritt durch sich durch lässt, verlässt einen meist stärker. Das zeigte sich auch in meiner Malerei:
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Tanz, immer wieder, 1997
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Ein weiteres Aquarell aus dieser Zeit findet sich auch auf der Seite Geschichten hinter Bildern. Die Farben explodierten.. Es war Zeit für die Acrylmalerei.
Seitdem ich nun noch regelmäßiger malen kann, hat sich der Malprozess für mich völlig verändert. Inzwischen ist das Tor zur Landschaftsmalerei für mich verschlossen. Dafür öffnet sich ein neues, weites Feld, das dem Betrachter vielleicht schwereren Zugang bietet, in seiner größeren Abstraktion gelegentlich von ihm unterschätzt wird, aber nach meiner Erfahrung auch zu mehr eigener Auseinandersetzung und Betroffenheit führen kann.
Musik ist für mich immer mehr zum Sprungbrett in neue Bilderwelten geworden. Meine Malerei wurde in den letzten Jahren durch die Suche nach Entsprechungen in Farbe, Form und Aufbau geprägt. (siehe meine Gedanken zur Ausstellung Licht, Farbe, Klang). Aber beim Hören der Musik entstanden auch neue Bilder durch freie Assoziationen. Dabei stand bisher die klassische Musik im Mittelpunkt.
Vor einiger Zeit hörte ich nun auf einem Klassiksender ein Musikstück, das mich in seiner Andersartigkeit, seiner Mischung aus klassischen Elementen und rhythmischer Modernität vollends faszinierte. Es handelte sich um das Stück „Lumière“ aus der „Suite Lumière“ von Astor Piazzolla. Von diesem Musiker wollte ich einfach mehr wissen! Und ich wollte mich auch in meinen Bildern mit seiner Musik auseinandersetzen!

Lumière (Licht), 2009
1. Astor Piazzolla
Schon bald erfuhr ich Folgendes über den Künstler:
Der musikalische Werdegang von Astor Piazzolla ist tatsächlich stark mit der klassischen Musik verbunden. Sein erstes prägendes musikalisches Erlebnis beschreibt der in New York aufwachsende Argentinier folgendermaßen:
„Ich entdeckte die Musik, als ich elf Jahre alt war. Das Mietshaus, in dem wir in New York wohnten, war sehr groß, hinten war ein Hof mit einem einzigen Fenster. An einem Sommernachmittag hielt ich mich da auf, ohne etwas Besonderes zu tun, und hörte einen Pianisten Bach spielen, was ich allerdings erst später erfuhr. In dem Alter wusste ich nicht, wer Bach war, aber ich war wie hypnotisiert….“
(Natalio Gorin, Astor Piazzolla, Erinnerungen, S.107)
Daheim hörte Piazzolla vor allem die Tangomusik, die sein Vater auflegte, empfand dabei aber Widerwillen und das Bandoneon, das ihm sein Vater geschenkt hatte, rührte er zunächst kaum an (Erinnerungen, S.20). Doch schließlich verfolgte er zwei Spuren: Nachdem er mit 16 Jahren endgültig nach Argentinien zurückgekehrt war, packte auch ihn die Tangoleidenschaft: Schon bald spielte er im Germinal in Buenos Aires
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(Bandoneon, Foto Pavel Krok, Quelle Wikipedia )
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bei Aníbal Troilo, aber er komponierte auch klassische Stücke. Mit seiner Sinfonia de Buenos Aires gewann er schließlich ein Stipendium für ein Studium in Paris bei Nadia Boulanger. Sie lobte zwar seine klassischen Kompositionen, fand den „wahren Piazzolla“ aber in seiner Tangomusik und ermutigte ihn, sich dieser zu widmen. Das wurde zum Wendepunkt für den jungen Künstler, der künftig gleichzeitig als Komponist und Bandoneonspieler den konzerttauglichen Tango Nuevo erschuf. Wie einige klassischen Komponisten verwandelte er einen volkstümlichen Tanz in Kunstmusik:
„Ich verwendete Kontrapunkt, Fugen, besondere harmonische Formen. Die mir folgen wollten, zogen es vor, einen Kaffee zu trinken und zuzuhören. Tanzen war Nebensache….“ (Erinnerungen, S.32)
Bekannte Musiker der Klassik wie Guido Kremer, Daniel Barenboim und Yo Yo Ma interpretierten seine Kompositionen.
Piazzolla selbst sagte über seine Musik:
„Ich spiele eben mit aller Gewalt, mein Bandoneon muss singen und schreien. Ich male den Tango nicht in Pastelltönen.“ (Erinnerungen, S. 122)
Hören wir uns z.B. seine Komposition „Adios Nonino“ an, die er 1959 zum Tode seines Vaters komponiert und als sein bestes Stück ansieht. Hier spielt Astor Piazzolla selbst:
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»Adios Nonino« von Astor Piazzolla
(von viejitocibernetico auf YouTube)
2. Zur Ausstellung
Die lichtgeborene Musik Bachs, die Piazzolla zum ersten Mal in seinem Hinterhof hörte, ruft da eher Assoziationen mit Pastelltönen hervor. Mit all ihrem Leuchten und ihrer transzendenten Klarheit lässt sie beim Malen auch harmonischere Formen entstehen. Die Auseinandersetzung mit Piazzollas Musik dagegen führt zu kräftigeren, viel dunkleren, ja schreienden Farben. Auch das Arbeiten mit Komplementärfarben und Kontrasten passt hier nach meinem Empfinden viel besser. Diese Musik lässt für mich auch ganz neue Formen entstehen und explodiert in einer leidenschaftlicheren Dynamik. Dabei regt die Beschäftigung mit dieser heisernen Musik des Bandoneons, die aus der argentinischen Vorstadt geboren ist, „der Vorstadt, wo einen das Elend verzweifeln lässt, im sozialen Morast, wo eines Nachts die Armut eine Bleibe gefunden hat…“ (Tango, Dieter Reichardt, S.175) zu mehrschichtigen Bilderwelten an; denn sie spricht nicht nur von Verlust, Zerrissenheit und Enttäuschungen im Leben, sondern auch von Lebensfreude und feuriger Energie.
Anfangs faszinierten mich vor allem die Lebendigkeit, Frische, Ursprünglichkeit und Schönheit dieser Musik. Auch Kontrapunkt und noch verbleibende Elemente des Tanzes wurden zur Inspirationsquelle wie z.B. im Bild „frech und ursprünglich“ (siehe Bildergalerie) und auch in „Lumière“ (siehe oben). Später hörte ich immer mehr auch das Dunkel, aus dem sich die Melodie immer wieder erhob, um dann oft dorthin zurückzufallen. Kein Wunder, wenn dieses Dunkel und diese Sehnsucht nach Licht auch die Zeit des Terrors und der Gewalt in seinem Lande, später auch die der Militärdiktatur, des Verschwindens von Tausenden von unschuldigen Menschen, der Folterungen, der Todeslisten und Konzentrationslager spiegeln! Ist hier immer noch das „Zähneknirschen des Erniedrigten und Ausgebeuteten“ (Tango, Dieter Reichardt, S.185) oder weiterhin das tragische Lebensgefühl des Tangos zu hören?
„Er (der Tango) ist geboren aus der Auflehnung des Lebens, das sich nach Glanz, Schönheit und Energie sehnte, gegen die Umstände, die in die andere Richtung wiesen.“ (Tango, die einende Kraft des tanzenden Eros, Ralf Satori, Petra Steidl, S.79)
„Es ist die Vorbereitung all dessen, was nie geschieht, eine Erinnerung an etwas, das niemals war.“ (Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Wolfram Fleischhauer, S.464)
Die Ausstellung zeigt nun einerseits Bilder, die sich mit Aspekten beschäftigen, die in der klassischer Musik wie auch bei Piazzolla auftauchen, so z.B. „Freiheit, in Form gefasst“, „Lichtgeboren“ oder „Mit frischer Leichtigkeit“. Hier herrschen die helleren Farben und harmonischeren Formen vor. Andererseits gibt es jene Bilder, die sich direkt mit Piazzolla auseinandersetzen und so ganz anders ausfallen, eben „nicht in Pastelltönen“ wie z.B. „Soledad“, „Eine Nelke hinterm Ohr“ oder „Mit ungestümen Schwung“ (siehe ebenfalls die Bildergalerie).
Ich hoffe, es bleibt genügend Zeit für jeden Betrachter, Zugang zu den Bildern zu finden und sie in einer inneren Zwiesprache auf sich wirken zu lassen….. Mit diesen VorWorten will ich nur dem einen oder anderen Betrachter meiner Bilder einen kleinen Kompass für die Ausstellung in die Hand geben, – bei all der Problematik, ob man nicht doch lieber über die eigene Kunst schweigen sollte (siehe dazu meinen Artikel Zunge ab). Es liegt jetzt an ihm, wie weit er in diese Bilderwelt eindringen, vielleicht auch dazu Piazzollas Musik hören und darin Eigenes, Bekanntes und auch Neues, Anregendes finden will.
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Zitierte Bücher:
Natalio Gorin, Astor Piazzolla, Erinnerungen, Metro Verlag, 2001
Dieter Reichardt, Tango, Suhrkamp Taschenbuch 1087
Ralf Sartori/Petra Steidl, Tango: die einende Kraft des tanzenden Eros, Hugendubel, 1999
Wolfram Fleischhauer, Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Roman, Knaur Taschenbuch, 2001
Auf meinem Schreibtisch stehen die folgenden Zeilen:
Das Wichtigste im Leben finden wir nicht durch intensive Suche, sondern so, wie man etwa eine Muschel am Strand findet. Im Grunde findet es uns. (Jochen Mariss)
Ein Spruch, der mich immer wieder gefangen nimmt! Je nach Lebenssituation oder auch jeweiliger Malerfahrung stimme ich dem Ganzen zu oder setze mein inneres Fragezeichen dahinter. Ich kenne beides: das Suchen und Finden und auch das Finden ohne zu suchen…….
Wenn wir bewusst suchen, nach etwas streben, wissen wir, wohin wir wollen. Die Richtung ist eingeschlagen. Es wird ein Weg gewählt, andere Möglichkeiten verworfen. Das Ziel im Auge konzentrieren wir uns ganz auf die Richtung. Auf der Zielgeraden wird dabei allerdings einiges übersehen, was so am Wegrand auftaucht, möglicherweise sogar wichtig wäre. Eine Muschel am Strand würden wir wohl liegen lassen, wenn wir dort gerade geschäftlich unterwegs wären…. Es sei denn, wir sind auch in dieser Situation voll präsent im Augenblick…..
Irgendwann ist dann gefunden oder erreicht, was erträumt oder so gewollt wurde. Das Erwartete ist eingetreten, das Gesuchte ist gefunden. Das gilt für Mal-Visionen ebenso wie für Lebensträume. Ich verwirkliche den einen Traum oder das eine, das für mich beste Bild……
Ist nun ein Leben geglückt, wenn alles so abläuft wie eingeplant, gesucht und gefunden? Nicht unbedingt! Da sprechen Menschen dagegen, die alles erreicht haben, aber nicht glücklich sind.…. Es gehört eben auch einiges von dem dazu, was ich gar nicht gesucht, aber gefunden habe…. Und überhaupt lässt sich Glück nicht so leicht erklären….. Genau so kann einem gut durchdachten, perfekt gemalten Bild etwas fehlen…..
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(aus der Serie Die versunkene Kathedrale, kleine Bildershow)
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Aber was finde ich nun, wenn ich nicht suche?
In der Kunst entspricht diese offene Haltung der des spontanen Prozessmalens, das immer wieder propagiert oder aber auch verworfen wird. Ein Bild, das so gemalt wird, entsteht spontaner und entwickelt sich organischer. Es gibt dabei mehrere Bildmöglichkeiten und vielleicht führt ja ein Ansatz zu mehreren Bild-Lösungen. Dabei bieten sich Umwege und überraschende Wendungen an …. Korrekturen werden notwendig….. Genau wie im normalen Leben…..
Manchmal ist das die Haltung des Autodidakten, der nicht an seinen Vorlagen klebt….. und der in seiner unverstellten Offenheit einfach drauf los experimentiert…. Möglicherweise aber findet er auch mal etwas ganz Einmaliges. Wieder einmal Picasso hat dazu eine interessante Bemerkung gemacht:
Angefangen bei Van Gogh sind wir alle, so groß wir auch sein mögen, in einem gewissen Maße Autodidakten – man könnte fast sagen, naive Maler. Die Maler leben nicht mehr innerhalb einer Tradition, und so muss jeder von uns alle seine Ausdruckmöglichkeiten neu erschaffen. Jeder moderne Maler hat das vollkommene Recht, diese Sprache von A bis Z zu erfinden. Kein Kriterium kann auf ihn a priori angewandt werden, weil wir nicht mehr an strenge Maßstäbe glauben….“ (Über Kunst, Diogenes, 1988, S.12 )
Im Leben wie in der Kunst schaffen wir uns dann immer mehr unsere eigenen Strukturen, unsere eigenen Möglichkeiten und das Schritt für Schritt.
Dabei passiert viel, weil wir mit unserer Offenheit finden ohne zu suchen….. Die Worte „In den letzten 20 Jahren ist alles beim Alten geblieben. Es hat sich nicht viel ereignet“, greifen dann nicht mehr.
Nun hängt es aber von mir ab, was ich mit dem Gefundenen anstelle. Da gibt es die schöne Geschichte, dass eine Kokusnuss auf den Kopf des Vorbeigehenden fällt. Der eine flucht laut und kickt die Nuss weit weg. Der andere hebt sie auf, schaut sie sich an, öffnet sie, trinkt daraus und nimmt die zwei Hälften als Schalen heim….. Ich kann ein Bild, das mich zu einer überraschenden Wende zwingt, das mich vom ursprünglichen Plan abbringt, einfach zerreißen oder aber ich arbeite mit dieser neuen Möglichkeit weiter…….
Vorausgesetzt ich bin offen für alle oder viele Wege und Möglichkeiten…….. Ich entscheide Schritt für Schritt aus dem Augenblick heraus. Damit kann viel Neues entstehen und Überraschendes gefunden werden.
Ich suche nicht, ich finde. (Picasso, Über Kunst, Diogenes, 1988, S.7 )
Der Weg wird chaotischer und das Ziel wird erst im Rückblick klar. Immer wieder stoße ich dabei auf etwas, das ich so nicht erwartet habe. Mir fällt vieles zu ….. Das Leben pulsiert….. Der Malprozess elektrisiert. Die Frage, wie weit es überhaupt Zufall und nicht doch immer wieder mal Fügung ist, möchte ich hier nur unbeantwortet in den Raum stellen……
Das Wort der Gratwanderung ist auf meinem Blog schon mehrmals gefallen (siehe „Zunge ab“ und „Kunst verstehen“)….. Wieder möchte ich damit schließen, dass für mich beides gemeinsam gilt: das Finden auf der Suche, gewürzt vom Finden ohne Suchen. Mal gibt das eine, mal das andere den Ton an. Dieses Paradox im Leben wie in der Malerei auszuhalten, ist eine große Herausforderung. Aber es lohnt sich, diese anzunehmen.
08.10.09
Nachtrag zu : „Ich suche nicht, ich finde“ von Picasso
Zwar finde ich nur die Worte „Ich suche nicht, ich finde“ im oben zitierten Buch „Über Kunst“, aber heute habe ich wieder in meinen Dateien das ganze Picassozitat gefunden. Woher ich das allerdings habe, keine Ahnung … :
Ich suche nicht, ich finde
Suchen ist Ausgehen von alten Beständen
und ein Findenwollen
von bereits Bekanntem im Neuen
Finden ist das völlig Neue.
Das Neue auch in der Bewegung.
Alle Wege sind offen
und was gefunden wird,
ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis,ein Abenteuer.
Pablo Picasso
Wir wollen Kunst verstehen. Wir sehen ein Bild und schon arbeitet der Kopf ….. und wir wollen gleich darüber sprechen…… beurteilen, was wir gerade anschauen….. Aber lässt sich Kunst überhaupt verstehen?
Jeder möchte die Kunst verstehen.
Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen?
Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um sich her, ohne es durchaus verstehen zu wollen?
Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es verstehen…….
Wenn uns ein Neugieriger, ein Journalist oder ein Kunstliebhaber besucht, erwartet er, wir müssten von vorgefassten Gedanken und Definitionen überströmen, die unsere Kunst erklären oder ihr gar einen lehrhaften Wert geben; das lehne ich ausdrücklich ab.
Über Bilder lässt sich nichts sagen, man liebt sie oder verabscheut sie, aber mit Worten lassen sie sich nicht erklären.
(Picasso, Über Kunst, S.72-73)
Vielleicht doch lieber erst einmal ein Bild auf sich ausgiebig wirken lassen und Psst! – zunächst mal kein Wort ?
Etwas ohne Worte verstehen … das geht ja auch………
Es gilt ja eh:
Das Wesentliche entzieht sich der begrifflichen Formulierung.
(Johannes Itten, Kunst der Farbe, Einleitung, S.11 )
P.S. Auf das Thema “ Kunst verstehen und darüber sprechen“ wurde von einem anderen Gesichtspunkt aus bereits ausführlicher in meinem Artikel Zunge ab eingegangen .
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Hier habe ich einige Zitate über Kunst ausgewählt, die mich besonders ansprechen oder beschäftigen. Es kommen auch immer mal neue Sprüche hinzu.
In den Kommentaren von khnemo (seinem ersten und dem dritten) werden auch noch etliche, pfeffrige hinzugefügt:
Also los geht’s:
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht wundern,nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.
( Albert Einstein , Einstein sagt, Piper, S. 216)
Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.
(Yves Klein, Hannah Weitemeier, KLEIN, Taschen, S.70; …… vor allem aber Ben Gurion zugeschrieben, siehe dazu den dritten Kommentar von khnemo und meine Antwort darauf)
Wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht 100 Bilder über dasselbe Thema malen.
(Pablo Picasso, Über Kunst, Diogenes, S.112)
Farbe hat wie Licht Anspruch, in der Reihe der Elemente eingestuft zu werden – Feuer, Wasser, Luft, Farbe, Licht und Erde
(Rupprecht Geiger, Zitat in der Neuen Nationalgalerie, Berlin, Sommer 2008)
Nie missachte ich einen inneren Rhythmus. Ich hasse es, irgendetwas zu erzwingen ….
Ich weiß, dass der innere Rhythmus für mich wesentlich ist. Ich höre darauf und halte mich daran.
(Lee Krasner, amerikanische Internetseite)
Wir gelangen zu einer heiteren Ruhe durch die Vereinfachung der Ideen und der Form. Der Einklang ist unser einziges Ideal. Die Details stören die Reinheit der Linien, sie schaden der Intensität des Gefühls, wir verzichten auf sie.
(Henri Matisse, Über Kunst, Diogenes, S.92)
Kunst scheint mir vor allem ein Seelenzustand zu sein.
(Marc Chagall, Mein Leben, Hatje, S.113)
Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.
(bekanntes Wort von Paul Klee)
Kunst ist auch immer ein Diskurs mit der Kunst.
(aus einem Interview mit Magdalena Jetelova, Internetseite)
Kunst ist keine Inspiration, die ich weiß nicht woher kommt, zufällig ihren Weg nimmt und nichts weiter anbietet als das pittoreske Äußere der Dinge. Kunst ist die Logik selbst, vom Genie geschmückt, einem notwendigen Weg folgend und die höchsten Gesetze in sich tragend.
(Yves Klein, Hannah Weitemeier KLEIN, Taschen, S.84)
Das folgende Zitat gibt es in verschiedenen, mehrdeutigen Übersetzungen. Deswegen lasse ich erst einmal das Original zu Worte kommen und übersetze es dann, wie ich es verstehe:
It is something to be able to paint a particular picture, or to carve a statue, and so to make a few objects beautiful; but it is far more glorious to carve and paint the very atmosphere of the day and medium through which we look, which morally we can do. To affect the quality of the day, that is the highest of arts.
(Es bedeutet schon viel, ein bestimmtes Bild zu malen oder eine Statue zu hauen und damit ein paar Dinge zu verschönern; aber es ist viel anerkennenswerter, vor allem die Atmosphäre und das Medium, durch das wir schauen, zu gestalten. Das können wir mit unserer geistigen Haltung. So das Beste aus dem jeweiligen Tag zu machen, das ist die höchste Kunst.)
(Henry David Thoreau, Walden, Penguin Books, S.65)
Niemand fragt danach, ob Beethoven oder Brahms gute oder schlechte Typen waren, man beurteilt sie nach ihrem musikalischen Werk.
(Astor Piazzolla, Erinnerungen, Metro, S.62)
Weißt Du denn, wie hoch-,hochnötig es ist, dass der Kunst ehrliche Leute erhalten bleiben? Ich will nicht behaupten, es gäbe keine, aber Du fühlst selbst, was ich meine, und weißt ebensogut wie ich, dass eine Menge Leute, die malen , großartige Lügner sind … Fast niemand weiß,dass das Geheimnis guter Arbeit zum großen Teil Redlichkeit und ehrliches Gefühl ist.
(Vincent van Gogh, Briefe an seinen Bruder, Anaconda, S.211)
Der Alltag selbst ist übervoll mit Künsten und mit Kunst. Aus jedem Winkel der Erlebniswelt, von der Bankfiliale bis zur U-Bahn-Werbung, springt dich ein Kunstwerk an. Kunst: das ist Blickfang allerorten.
(Botho Srauß, Neue Nationalgalerie, Berlin, Ausstellung Thomas Demand, Sept.2009 bis Jan. 2010))
Wer mir sagen kann, warum ein Bild schön ist, dem bezahle ich eine Flasche!
( Edgar Degas )
Wollt Ihr die Kunst als Schlafmittel oder als Wegweiser? Entscheidet Euch!
(Dieter Hacker, MMZ , 02.07.09)
Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol.
(Oscar Wilde)
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.
(Friedrich Schiller, 2.Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen)
So wird dem Künstler …… vorgeschrieben, was er zu tun und zu lassen, zu fühlen und zu wollen habe, um auf Resonanz rechnen zu können, um „zeitgemäß“ zu sein……. Das wirklich „Zeitgemäße“ erscheint stets anders, als es die Theorie erwartet, denn geschichtliche Erkennnis und das Schaffen von etwas Neuem aus dem Unbewussten der Gegenwart heraus sind zwei prinzipiell verschiedene Akte ………
(Wilhelm Furtwängler, Gespräche über Musik, S.81)
Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen.
(Meret Oppenheim, in Uta Grosenick, Women Artists, S.256)
Ich bringe das, was ich das Organische nenne, mit dem, was ich das Abstrakte nenne, zusammen.
(Lee Krasner, in Uta Grosenick, Women Artists, S. 178)
Mich interessiert die Seele eines Objekts, nicht das Maschinelle daran.
(Rebecca Horn, ibid. S.156)
Ich finde es wichtig, die Aufmerksamkeit auf das Denken und Machen und was sich dazwischen abspielt zu lenken, auf das Leichte und das Schwere, auf die Energie, die zwischen den beiden Polen oszilliert und unser Denken und Leben bestimmt, auf die überall verborgene Energie.
(Magdalena Jetelova, ibid. S.163)
„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht mehr nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ (Paul Klee)
Hier wird Kunst zur Berufung.
Kunst kann jedoch ganz andere Rollen übernehmen.
Gerne würde ich erfahren, welche Rolle die Kunst – ob nun Malerei, Musik, Poesie, Theater, Tanz, Literatur – im Leben anderer spielt.
Ist sie notwendiger Bestandteil, schmückendes Beiwerk oder nur fünftes Rad am Wagen?
Macht sie den Alltag erträglicher? Erleichtert sie, sorgt für Entspannung oder verbessert sie gar die eigene Gesundheit?
Bietet sie die Möglichkeit, sich frei auszudrücken, zu provozieren oder wach zu rütteln etc, etc … ?
Vielleicht kommt sie jedoch in manchem Leben gar nicht vor?
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(Gartenvernissage 2006, Foto privat)
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04.02.09
Vorgestern hat Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede bei der Übernahme der Ehrenpräsidentschaft des Deutschen Künstlerbundes seine Antwort auf die Frage nach der Rolle der Kunst gegeben. Hier ein Auszug:
Kunst existiert, seitdem es menschliches Denken, seitdem es menschliches Bewusstsein gibt. Kunst gehört also von jeher zum menschlichen Leben untrennbar dazu. Und dies, obwohl es sich bei der Kunst – ich zitiere aus dem Lexikon – „um Verrichtungen oder Darstellungen handelt, die keinen unmittelbaren Nutzen zur Lebenserhaltung erkennen lassen“. Kunst – ein Luxus? Offensichtlich nicht! Kunst entspringt einem grundlegenden Bedürfnis des Menschen, sich auch mit den Dingen zu befassen, die sich eben nicht mit dem Maßstab des unmittelbar Nutzbringenden messen lassen. Oder, um es mit anderen Worten Loriots auszudrücken: Ein Leben ohne Kunst ist vielleicht möglich, aber nur halb so schön.“
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07.09.09
Hermann Hesse äußert sich im folgenden Zitat ebenfalls über die Rolle der Kunst in unserem Leben:
Letzten Endes muss alle Kunst ihre Daseinsberechtigung daran erweisen, dass sie nicht nur Vergnügen macht, sondern auch direkt ins Leben wirkt, als Trost, als Klärung, als Mahnung, als Hilfe und Stärkung beim Bestehen des Lebens und beim Überwinden des Schweren.
(aus der Ausstellung in zimmer mittendrin, Foto 2009, von khnemo)
Es ist üblich, dass sich ein Kunstkritiker über einen Maler und dessen Kunst äußert. Es ist aber immer wieder umstritten, ob der Künstler selbst das Wort über sich und seine Kunst ergreifen sollte. Der Maler Henri Matisse riet seinen Schülern: „Vor allem müssen Sie sich ihre Zunge abschneiden; denn Ihr Entschluss nimmt Ihnen jedes Recht, sich mit irgend etwas anderem als mit ihrem Pinsel auszudrücken.“ (Henri Matisse, Über Kunst)
Und doch äußerte Matisse sich immer wieder selbst über Kunst und seine Malerei. Er spiegelt damit das Dilemma, in dem Künstler oft stecken: Zunge ab? – oder sich über die eigene Kunst äußern?
Diese Frage beschäftigt auch mich immer wieder …
1. Ein Beispiel: „Ansichtssache“
Auf dem Poster zu meiner ersten Ausstellung im Antoniersaal Memmingen war mein Bild „Ansichtssache“ zu sehen. Hier ist es:

Was ist darauf zu sehen??
Die meisten Betrachter erkannten vor allem Palmen …
Es wäre interessant zu wissen, wie viele überhaupt etwas anderes als Palmen darauf gesehen haben …
Die Malerin Georgia O’Keeffe sagt: „In der Stadt hasten die meisten Menschen vorbei, sie haben keine Zeit, sich eine Blume anzusehen. Ich möchte, dass sie sie sehen, ob sie wollen oder nicht.“ (Women Artists, Taschen) Wer hat wohl mehr gesehen?
Dies ist nämlich ein Bild, das in das Thema der Ausstellung einführen sollte. Es erschließt sich erst bei näherem Hinsehen, beim „da sein“. Es ist ein Kippbild, das verschieden gesehen werden kann. Erst wenn man ihm seine ganze Aufmerksamkeit schenkt, sieht man die Gesichter oder die Menschen und Tiere, die sich ebenfalls darauf befinden, die „da sind“. Jedenfalls habe ich mehrmals mitbekommen, wie erst allmählich der Groschen gefallen ist.
Trotz der Gefahr, die im Zerreden der eigenen Bilder lauert, hatte ich mich entschieden, Einführungen in die Ausstellung anzubieten. Das Bild „Ansichtssache“ war dabei gleich das erste Bild, das ich mit den Besuchern „erarbeitete“. Viele von ihnen hatten nicht viel mehr als Palmen bemerkt. Die meisten von ihnen schauten sich daraufhin auch die folgenden Bilder ganz konzentriert an … Das Interesse der Leute zeigte, dass sie offen, ja dankbar für Erklärungen sind, und es kamen auch mehr als ich zu erwarten gewagt hätte!
Und was heißt das nun allgemein?
Einerseits steht da die Überzeugung, dass ein Bild selbst am besten und klarsten für sich sprechen kann. Es muss eigentlich nichts mehr gesagt werden … Andererseits sehen die Besucher so viel mehr, wenn sie ein wenig in die neue Bilderwelt vor ihnen geführt werden. Die Neugier und das Interesse werden auch dadurch verstärkt, dass der Maler selbst etwas zu seinem Werk sagt. Authentizität lässt sich spüren und ist meist ein Faszinosum … Zusätzlich erfährt der Maler auch noch von den Besuchern einiges über die Wirkung und Deutung seiner Bilder. Dass dabei nicht zu viel gesagt wird , ist ein Übungsfeld und eine ständige Gratwanderung.
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2. Worin liegt dann das Problem?
Also auf geht’s, sprecht über Eure Bilder!?
So einfach ist das nicht beantwortet. Da gibt es einiges dagegen einzuwenden. Hier sind ein paar Bedenken:
Die Bilder sind bekanntlich die beste Sprache eines Malers. Ein Bild sagt nun mal mehr als 1000 Worte. Warum also auf eine Aussage zurückgreifen, die nie so umfassend sein kann wie ein Bild? Und warum sich noch mit Formulierungen plagen, wenn durch das Malen schon alles gesagt ist ?
Außerdem weiß auch der Maler nicht alles über die unbewussten Inhalte seiner Bildwelten. Eine Möglichkeit der Kunst ist es ja gerade, dass sie aus dem Unbewussten zum Unbewussten des Betrachters spricht. So kann etwas mitgeteilt, aufgenommen, verarbeitet und sogar geheilt werden, was gar nicht bis zum manchmal schmerzhaften Bewusstsein dringen muss.
Es besteht auch die große Gefahr, etwas zu zerreden und ihm das Geheimnis zu entreißen, das ebenfalls wesentlich für Kunstwerke ist. Sicher kann man der Überzeugung sein, dass etwas Geheimnisvolles nie ganz ergründet werden wird und letztendlich ein Geheimnis bleibt, aber dafür geben sich zu viele Betrachter mit einer oberflächlichen Aussage zufrieden. Mehr wollen sie gar nicht wissen. Die Aura des Rätselhaften verfliegt eben leicht … Ganz besonders in der Schublade! Denn Besprochenes, Eingeordnetes kann man dort gut ablegen … Und auch dem Maler droht diese wohlgeordnete Schublade der Beurteilungen! Warum sich also freiwillig aufs Glatteis begeben?
Vor allem aber ist ja die Auseinandersetzung des Betrachters mit einem Kunstwerk ebenfalls ein kreativer Akt, den es zu fördern gilt. Hier kann er Eigenes finden, kann seinen eigenen Weg durch Bilderwelten gehen und selbst Neues entdecken. Andererseits können Betrachter manchmal rein gar nichts mit einem Bild anfangen und ein paar Worte bringen sie auf eine Spur, der sie mit Begeisterung nachgehen. Andernfalls hätten sie den Ausstellungsraum schon längst verlassen …
So kehren wir wieder zum Anfang zurück: wir befinden uns hier auf einer Gratwanderung. Manchmal kann ein Wort zu viel sein, manchmal aber ist eins nötig … Es liegt eben im Ermessen des Künstlers, wie er sich entscheidet und ob er zu seinen Bildern eine Aussage macht oder dies strikt ablehnt.
Vielleicht verstehen wir jetzt ein wenig besser, dass es da ein Problem gibt und warum die einen jede Äußerung ablehnen, die anderen gerne Auskunft geben und ein und derselbe Künstler je nach Situation ganz anders reagiert.
Nicht immer ist eben Reden Silber und Schweigen Gold! Ich nehme mir jedenfalls die Freiheit, je nach Situation unterschiedlich zu reagieren, auch wenn es mal daneben geht.
Welche der hier angeführten Argumente ebenfalls für den Kunstkritiker und auch ganz allgemein für den Betrachter gelten, kann der Leser, der bis hierher gekommen ist, sicher selbst herausfinden.
Unter dem Titel „Klingende Bildwelten – gemalte Musik“ erschien in der Memminger Zeitung am 24.04.08 ein Artikel der Journalistin Erika Gäble über meine Ausstellung Licht, Farbe, Klang.
Hier sind einige Zitate daraus:
„Für Petra Pawlofsky sind Musik und Bilder Schwestern.“…
„Der Weg bis zu ihrer zweiten Ausstellung im Antoniersaal …führte sie…hin zu einer Symphonie mit dem Titel ‘Licht, Farbe, Klang’ “ …
„Heute sind es die Höhen und Tiefen von Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“, die sie in sechs Bilder übersetzte. So auch manch andere Komposition, vor allem der Klassik. Fugen bearbeitete sie so lange, bis sie die ‘reine Form‘ fand.“ …
„Meditatives Hören und Fortbildungen führten die Autodidaktin … zu dem Punkt, an dem sie nun statische Malerei zum Klingen bringt. Mit Schwingungen, Wellen, Punkten und bewusst oder intuitiv gewählter Farbe schafft sie klingende Welten.“ …
„Es gibt die ‘erarbeiteten’ Werke und die ‘spontanen’. Einmal ist es der Nachklang eines Festes, dann wieder die bewegte Bilderfolge vor dem inneren Auge zwischen Wachen und Schlafen, die ein ‘Crescendo’, eine ‘Variation’ oder ein ‘Pizzicato’ entstehen ließ.“ …
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„Nur manchmal bleibt die Musik im Hintergrund, wie bei der Trilogie ‘Marschlied’ zum Tod von Kindern in Kriegen. Oder bei der heiter stimmenden ‘Monddiebin’ …
„Nur gelegentlich ist es die vielfache Variation einer Farbe, öfter die Beschränkung auf einen Ton, der beispielsweise den ‘Generationenreigen’ eint. Der Betrachter hat alle Möglichkeiten herauszulesen, zu interpretieren oder eben nur hinzuhören. Der Versuch lohnt sich.“
“ ‘Was ich erlebe, male ich’ , sagt die Künstlerin. Danach befragt, wieso sie Musik male, verweist Pawlofsky auf da Vinci, der Bilder und Musik zwei Schwestern nannte.“
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