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Auch Bilder erleben einiges … :
wie sie entstehen, was ihnen zustößt, welche Reaktionen sie auslösen … was aus ihnen wird, wo sie schließlich daheim sind …
Einige Geschichten meiner Bilder möchte ich hier erzählen. Immer wieder mal wird eine neue dazu kommen.
Hier sind erst einmal drei :
1. Nächtliche Begegnung
2…. zurückbekommen
3. Marschlied
28.10.09
Nächtliche Begegnung
Nach einem Aufenthalt in Venedig malte ich auch einige Impressionen davon. Überall in Venedig hingen ja Masken herum … Zwar begegnete ich niemandem in einer Maske dort. Aber eine solche Begegnung konnte ich mir gut vorstellen …
Damals, im Jahr 2002, malte ich noch ganz anders als heute (siehe frühere Aquarelle). Es entstand das folgende Bild:
Dieses Bild blieb bisher ohne Titel .
Inzwischen lernte ich durch khnemo eine Bildbearbeitungstechnik kennen, die zweidimensionalen Bildern eine dritte Dimension hinzufügt. Im Schwarz-Weißmodus bietet sich das besonders an. Und genau dieses Venedig-Bild schien dafür geeignet! khnemo machte sich sogleich an die Arbeit und das Ergebnis kann man nach einem Klick auf das Bild sehen. Auf khnemo’s Seite wird das noch etwas größer gezeigt! Für die Wahrnehmung des 3D-Effekts ist allerdings eine entsprechende Brille (rot-cyan) erforderlich.
Dieses „farblose“ Bild hat inzwischen einen Titel von mir bekommen :
„Nächtliche Begegnung“.
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17.11.09
… zurückbekommen
Für einen guten Zweck Bilder versteigern, die von Künstlern gespendet wurden … Was für eine gute Idee! Jedenfalls war ich gleich Feuer und Flamme, als mir dies eines Tages von einer wohltätigen Organisation vorgeschlagen wurde. Ich schickte also ein Bild dorthin.
Die Bilder sollten ausgestellt und auf einer Benefiz-Kunstauktion versteigert werden.
Das wollte ich mir selbst alles ansehen. Aber was war ich enttäuscht, als ich die Ausstellung sah!
200 Bilder, oft ohne Rahmen, dicht nebeneinander, alle Stile vertreten, groß und klein, durcheinander lagen sie da auf Tischen, standen an Tischbeinen oder waren an Fenster gelehnt. Es gab sogar einen Tisch mit Stofftieren.
Die Bilder sollten ohne Rahmen verkauft werden.
Das alles erinnerte mich eher an einen Trödelmarkt als an eine Ausstellung …
So geschickt auch durch die Auktion geführt wurde, es wurde nur zu Anfang mehr geboten als die angegebenen Mindestpreise. Schon bald konnte man die Bilder 10% billiger erwerben und bei mehreren Käufen auch Rabatte verbuchen. Als all das nichts mehr half, wurden die von den Künstlern angegebenen Mindestpreise um 50% unterschritten! Und ich hatte davon geträumt, dass Reichtümer für die Bilder geboten werden würden! Stattdessen entwickelte sich alles zum Schnäppchenmarkt.
Mein Bild als Schnäppchen? Nein! …Ich kaufte es zum halben Preis zurück … mit Rahmen.
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03.12.09
Marschlied

(MMZ, 03.12.09, Foto: afp)
Gestern hat der amerikanische Präsident Obama vor jungen Soldaten die Aufstockung der Truppen in Afghanistan bekannt gegeben. Auf dem Foto sieht man einige Gesichter der jungen Zuhörer. Welche Gefühle drücken sie wohl aus?
Im Irakkrieg veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift Newsweek Tagebucheinträge junger Soldaten im dortigen Einsatz. Hier kamen die Gefühle von Angst, Überforderung und Entsetzen klar zum Ausdruck. Leider habe ich mir diesen Artikel nicht aufgehoben. Aber ich kann hier das Triptychon Marschlied (2008) zeigen, das ich daraufhin gemalt habe, um das Gelesene zu verarbeiten.
Besonders ein Tagebucheintrag ließ mir damals keine Ruhe: Ein junger Soldat schrieb über seine Ängste, selbst zum Opfer zu werden und er fügte hinzu, dass er aus lauter Angst auf alles schießt, was sich bewegt .
Das Dilemma des Krieges, dieses manchmal unvermeidliche Übel, das nicht nur um sich herum alles zerstört, sondern auch Seelen kaputt macht, das habe ich versucht, darin auszudrücken.

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Ob man einem Kunstwerk begegnet sei, meinte der metaphysisch nicht leicht erregbare Paul Valéry, erkenne man daran, ob es einen im Zustand der Inspiriertheit zurücklässt. Wir antworten mit Widerschein.
(Botho Strauß, in der derzeitigen Ausstellung „Thomas Demand“, Neue Nationalgalerie, Berlin)
Immer wieder bin ich so betroffen oder berührt von einer Ausstellung, einem Konzert, oder einer anderen kulturellen Veranstaltung, dass ich danach als Nachklang ein Bild davon male, um das Erlebte besser zu verarbeiten. Meist steht der Anlass dann nur auf der Rückseite des Bildes. Der Titel lautet dagegen häufig anders. Im Grunde ist mein Triptychon Vom Licht zum Licht (auf der Seite Bildthemen) so entstanden. Ich malte es nach dem Besuch der Münchner Ausstellung des Lichtkünstlers Dan Flavin. (Auf den Bezug zur Musik werde ich ein anderes Mal eingehen). Diese Bildwidmungen verschwinden dann meist ungesehen in der Schublade. Dabei wollen Bilder doch angeschaut werden. Das will ich hier auf dieser Seite möglich machen.
Eine Hommage an Manfred Wagner
Sterben müssen, 2009
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Im letzten November starb der Heimertinger Maler Manfred Wagner. Für mich kam das völlig überraschend.
Hatte ich mich doch erst im April 2008 auf meiner Ausstellung Licht, Farbe, Klang länger mit ihm unterhalten, ohne dass ich Anzeichen von Alter oder Krankheit entdeckt hätte! Ich war so erschüttert über die Nachricht seines Todes, dass ich dies in einem Bild, einer Art Hommage an den Künstler, ausgedrückt habe (auf das obige Bild klicken, dann wird es sichtbar). Dieses Jahr habe ich dann das Bild Sterben müssen (s.o.) stark verändert gemalt, nachdem ich in Sontheim erneut eine Ausstellung mit seinen Bildern und einen Film über ihn gesehen hatte. Manfred Wagner beeindruckte mich nicht nur durch seine freundliche, aufgeschlossene Art, sondern seine Bilder berührten mich auch durch ihre geistige Dimension sehr.
Der Künstler sagte über seine Malerei:
„Alles ist aufeinander bezogen, und nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch zwischen Menschen und Tieren und Pflanzen und dem Mineralbereich und allem, was der Kosmos in sich beherbergt. So versuche ich in meinen Bildern, diese energetischen Zusammenhänge sichtbar zu machen.“
„Wagner konstatiert nicht nur einen „Verlust der Mitte“, sondern den Verlust der Lebensgrundlagen. Insofern sind seine Bilder zum einen Zustandsbeschreibungen, zum anderen Ausblick in andere Dimensionen des Seins: Visionen.“
(beide Zitate aus: Manfred Wagner, Energie, Form, Dimensionen, Entwürfe für ein neues Zeitalter, S.11)
Weitere Bildwidmungen werden auf dieser Seite folgen. Aber ich finde es angebracht, wenn ich erst einmal nur ihm diese Seite widme; denn sein Tod jährt sich jetzt im November. Ich wünsche ihm sehr, dass sein Name im Gedächtnis bleibt und seine „Visionen“ immer mehr Anklang finden.



Musik ist für mich immer mehr zum Sprungbrett in neue Bilderwelten geworden. Meine Malerei wurde in den letzten Jahren durch die Suche nach Entsprechungen in Farbe, Form und Aufbau geprägt. (siehe meine Gedanken zur Ausstellung Licht, Farbe, Klang). Aber beim Hören der Musik entstanden auch neue Bilder durch freie Assoziationen. Dabei stand bisher die klassische Musik im Mittelpunkt.
Vor einiger Zeit hörte ich nun auf einem Klassiksender ein Musikstück, das mich in seiner Andersartigkeit, seiner Mischung aus klassischen Elementen und rhythmischer Modernität vollends faszinierte. Es handelte sich um das Stück „Lumière“ aus der „Suite Lumière“ von Astor Piazzolla. Von diesem Musiker wollte ich einfach mehr wissen! Und ich wollte mich auch in meinen Bildern mit seiner Musik auseinandersetzen!

Lumière (Licht), 2009
1. Astor Piazzolla
Schon bald erfuhr ich Folgendes über den Künstler:
Der musikalische Werdegang von Astor Piazzolla ist tatsächlich stark mit der klassischen Musik verbunden. Sein erstes prägendes musikalisches Erlebnis beschreibt der in New York aufwachsende Argentinier folgendermaßen:
„Ich entdeckte die Musik, als ich elf Jahre alt war. Das Mietshaus, in dem wir in New York wohnten, war sehr groß, hinten war ein Hof mit einem einzigen Fenster. An einem Sommernachmittag hielt ich mich da auf, ohne etwas Besonderes zu tun, und hörte einen Pianisten Bach spielen, was ich allerdings erst später erfuhr. In dem Alter wusste ich nicht, wer Bach war, aber ich war wie hypnotisiert….“
(Natalio Gorin, Astor Piazzolla, Erinnerungen, S.107)
Daheim hörte Piazzolla vor allem die Tangomusik, die sein Vater auflegte, empfand dabei aber Widerwillen und das Bandoneon, das ihm sein Vater geschenkt hatte, rührte er zunächst kaum an (Erinnerungen, S.20). Doch schließlich verfolgte er zwei Spuren: Nachdem er mit 16 Jahren endgültig nach Argentinien zurückgekehrt war, packte auch ihn die Tangoleidenschaft: Schon bald spielte er im Germinal in Buenos Aires
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(Bandoneon, Foto Pavel Krok, Quelle Wikipedia )
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bei Aníbal Troilo, aber er komponierte auch klassische Stücke. Mit seiner Sinfonia de Buenos Aires gewann er schließlich ein Stipendium für ein Studium in Paris bei Nadia Boulanger. Sie lobte zwar seine klassischen Kompositionen, fand den „wahren Piazzolla“ aber in seiner Tangomusik und ermutigte ihn, sich dieser zu widmen. Das wurde zum Wendepunkt für den jungen Künstler, der künftig gleichzeitig als Komponist und Bandoneonspieler den konzerttauglichen Tango Nuevo erschuf. Wie einige klassischen Komponisten verwandelte er einen volkstümlichen Tanz in Kunstmusik:
„Ich verwendete Kontrapunkt, Fugen, besondere harmonische Formen. Die mir folgen wollten, zogen es vor, einen Kaffee zu trinken und zuzuhören. Tanzen war Nebensache….“ (Erinnerungen, S.32)
Bekannte Musiker der Klassik wie Guido Kremer, Daniel Barenboim und Yo Yo Ma interpretierten seine Kompositionen.
Piazzolla selbst sagte über seine Musik:
„Ich spiele eben mit aller Gewalt, mein Bandoneon muss singen und schreien. Ich male den Tango nicht in Pastelltönen.“ (Erinnerungen, S. 122)
Hören wir uns z.B. seine Komposition „Adios Nonino“ an, die er 1959 zum Tode seines Vaters komponiert und als sein bestes Stück ansieht. Hier spielt Astor Piazzolla selbst:
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»Adios Nonino« von Astor Piazzolla
(von viejitocibernetico auf YouTube)
2. Zur Ausstellung
Die lichtgeborene Musik Bachs, die Piazzolla zum ersten Mal in seinem Hinterhof hörte, ruft da eher Assoziationen mit Pastelltönen hervor. Mit all ihrem Leuchten und ihrer transzendenten Klarheit lässt sie beim Malen auch harmonischere Formen entstehen. Die Auseinandersetzung mit Piazzollas Musik dagegen führt zu kräftigeren, viel dunkleren, ja schreienden Farben. Auch das Arbeiten mit Komplementärfarben und Kontrasten passt hier nach meinem Empfinden viel besser. Diese Musik lässt für mich auch ganz neue Formen entstehen und explodiert in einer leidenschaftlicheren Dynamik. Dabei regt die Beschäftigung mit dieser heisernen Musik des Bandoneons, die aus der argentinischen Vorstadt geboren ist, „der Vorstadt, wo einen das Elend verzweifeln lässt, im sozialen Morast, wo eines Nachts die Armut eine Bleibe gefunden hat…“ (Tango, Dieter Reichardt, S.175) zu mehrschichtigen Bilderwelten an; denn sie spricht nicht nur von Verlust, Zerrissenheit und Enttäuschungen im Leben, sondern auch von Lebensfreude und feuriger Energie.
Anfangs faszinierten mich vor allem die Lebendigkeit, Frische, Ursprünglichkeit und Schönheit dieser Musik. Auch Kontrapunkt und noch verbleibende Elemente des Tanzes wurden zur Inspirationsquelle wie z.B. im Bild „frech und ursprünglich“ (siehe Bildergalerie) und auch in „Lumière“ (siehe oben). Später hörte ich immer mehr auch das Dunkel, aus dem sich die Melodie immer wieder erhob, um dann oft dorthin zurückzufallen. Kein Wunder, wenn dieses Dunkel und diese Sehnsucht nach Licht auch die Zeit des Terrors und der Gewalt in seinem Lande, später auch die der Militärdiktatur, des Verschwindens von Tausenden von unschuldigen Menschen, der Folterungen, der Todeslisten und Konzentrationslager spiegeln! Ist hier immer noch das „Zähneknirschen des Erniedrigten und Ausgebeuteten“ (Tango, Dieter Reichardt, S.185) oder weiterhin das tragische Lebensgefühl des Tangos zu hören?
„Er (der Tango) ist geboren aus der Auflehnung des Lebens, das sich nach Glanz, Schönheit und Energie sehnte, gegen die Umstände, die in die andere Richtung wiesen.“ (Tango, die einende Kraft des tanzenden Eros, Ralf Satori, Petra Steidl, S.79)
„Es ist die Vorbereitung all dessen, was nie geschieht, eine Erinnerung an etwas, das niemals war.“ (Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Wolfram Fleischhauer, S.464)
Die Ausstellung zeigt nun einerseits Bilder, die sich mit Aspekten beschäftigen, die in der klassischer Musik wie auch bei Piazzolla auftauchen, so z.B. „Freiheit, in Form gefasst“, „Lichtgeboren“ oder „Mit frischer Leichtigkeit“. Hier herrschen die helleren Farben und harmonischeren Formen vor. Andererseits gibt es jene Bilder, die sich direkt mit Piazzolla auseinandersetzen und so ganz anders ausfallen, eben „nicht in Pastelltönen“ wie z.B. „Soledad“, „Eine Nelke hinterm Ohr“ oder „Mit ungestümen Schwung“ (siehe ebenfalls die Bildergalerie).
Ich hoffe, es bleibt genügend Zeit für jeden Betrachter, Zugang zu den Bildern zu finden und sie in einer inneren Zwiesprache auf sich wirken zu lassen….. Mit diesen VorWorten will ich nur dem einen oder anderen Betrachter meiner Bilder einen kleinen Kompass für die Ausstellung in die Hand geben, – bei all der Problematik, ob man nicht doch lieber über die eigene Kunst schweigen sollte (siehe dazu meinen Artikel Zunge ab). Es liegt jetzt an ihm, wie weit er in diese Bilderwelt eindringen, vielleicht auch dazu Piazzollas Musik hören und darin Eigenes, Bekanntes und auch Neues, Anregendes finden will.
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Zitierte Bücher:
Natalio Gorin, Astor Piazzolla, Erinnerungen, Metro Verlag, 2001
Dieter Reichardt, Tango, Suhrkamp Taschenbuch 1087
Ralf Sartori/Petra Steidl, Tango: die einende Kraft des tanzenden Eros, Hugendubel, 1999
Wolfram Fleischhauer, Drei Minuten mit der Wirklichkeit, Roman, Knaur Taschenbuch, 2001
Auf meinem Schreibtisch stehen die folgenden Zeilen:
Das Wichtigste im Leben finden wir nicht durch intensive Suche, sondern so, wie man etwa eine Muschel am Strand findet. Im Grunde findet es uns. (Jochen Mariss)
Ein Spruch, der mich immer wieder gefangen nimmt! Je nach Lebenssituation oder auch jeweiliger Malerfahrung stimme ich dem Ganzen zu oder setze mein inneres Fragezeichen dahinter. Ich kenne beides: das Suchen und Finden und auch das Finden ohne zu suchen…….
Wenn wir bewusst suchen, nach etwas streben, wissen wir, wohin wir wollen. Die Richtung ist eingeschlagen. Es wird ein Weg gewählt, andere Möglichkeiten verworfen. Das Ziel im Auge konzentrieren wir uns ganz auf die Richtung. Auf der Zielgeraden wird dabei allerdings einiges übersehen, was so am Wegrand auftaucht, möglicherweise sogar wichtig wäre. Eine Muschel am Strand würden wir wohl liegen lassen, wenn wir dort gerade geschäftlich unterwegs wären…. Es sei denn, wir sind auch in dieser Situation voll präsent im Augenblick…..
Irgendwann ist dann gefunden oder erreicht, was erträumt oder so gewollt wurde. Das Erwartete ist eingetreten, das Gesuchte ist gefunden. Das gilt für Mal-Visionen ebenso wie für Lebensträume. Ich verwirkliche den einen Traum oder das eine, das für mich beste Bild……
Ist nun ein Leben geglückt, wenn alles so abläuft wie eingeplant, gesucht und gefunden? Nicht unbedingt! Da sprechen Menschen dagegen, die alles erreicht haben, aber nicht glücklich sind.…. Es gehört eben auch einiges von dem dazu, was ich gar nicht gesucht, aber gefunden habe…. Und überhaupt lässt sich Glück nicht so leicht erklären….. Genau so kann einem gut durchdachten, perfekt gemalten Bild etwas fehlen…..
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(aus der Serie Die versunkene Kathedrale, kleine Bildershow)
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Aber was finde ich nun, wenn ich nicht suche?
In der Kunst entspricht diese offene Haltung der des spontanen Prozessmalens, das immer wieder propagiert oder aber auch verworfen wird. Ein Bild, das so gemalt wird, entsteht spontaner und entwickelt sich organischer. Es gibt dabei mehrere Bildmöglichkeiten und vielleicht führt ja ein Ansatz zu mehreren Bild-Lösungen. Dabei bieten sich Umwege und überraschende Wendungen an …. Korrekturen werden notwendig….. Genau wie im normalen Leben…..
Manchmal ist das die Haltung des Autodidakten, der nicht an seinen Vorlagen klebt….. und der in seiner unverstellten Offenheit einfach drauf los experimentiert…. Möglicherweise aber findet er auch mal etwas ganz Einmaliges. Wieder einmal Picasso hat dazu eine interessante Bemerkung gemacht:
Angefangen bei Van Gogh sind wir alle, so groß wir auch sein mögen, in einem gewissen Maße Autodidakten – man könnte fast sagen, naive Maler. Die Maler leben nicht mehr innerhalb einer Tradition, und so muss jeder von uns alle seine Ausdruckmöglichkeiten neu erschaffen. Jeder moderne Maler hat das vollkommene Recht, diese Sprache von A bis Z zu erfinden. Kein Kriterium kann auf ihn a priori angewandt werden, weil wir nicht mehr an strenge Maßstäbe glauben….“ (Über Kunst, Diogenes, 1988, S.12 )
Im Leben wie in der Kunst schaffen wir uns dann immer mehr unsere eigenen Strukturen, unsere eigenen Möglichkeiten und das Schritt für Schritt.
Dabei passiert viel, weil wir mit unserer Offenheit finden ohne zu suchen….. Die Worte „In den letzten 20 Jahren ist alles beim Alten geblieben. Es hat sich nicht viel ereignet“, greifen dann nicht mehr.
Nun hängt es aber von mir ab, was ich mit dem Gefundenen anstelle. Da gibt es die schöne Geschichte, dass eine Kokusnuss auf den Kopf des Vorbeigehenden fällt. Der eine flucht laut und kickt die Nuss weit weg. Der andere hebt sie auf, schaut sie sich an, öffnet sie, trinkt daraus und nimmt die zwei Hälften als Schalen heim….. Ich kann ein Bild, das mich zu einer überraschenden Wende zwingt, das mich vom ursprünglichen Plan abbringt, einfach zerreißen oder aber ich arbeite mit dieser neuen Möglichkeit weiter…….
Vorausgesetzt ich bin offen für alle oder viele Wege und Möglichkeiten…….. Ich entscheide Schritt für Schritt aus dem Augenblick heraus. Damit kann viel Neues entstehen und Überraschendes gefunden werden.
Ich suche nicht, ich finde. (Picasso, Über Kunst, Diogenes, 1988, S.7 )
Der Weg wird chaotischer und das Ziel wird erst im Rückblick klar. Immer wieder stoße ich dabei auf etwas, das ich so nicht erwartet habe. Mir fällt vieles zu ….. Das Leben pulsiert….. Der Malprozess elektrisiert. Die Frage, wie weit es überhaupt Zufall und nicht doch immer wieder mal Fügung ist, möchte ich hier nur unbeantwortet in den Raum stellen……
Das Wort der Gratwanderung ist auf meinem Blog schon mehrmals gefallen (siehe „Zunge ab“ und „Kunst verstehen“)….. Wieder möchte ich damit schließen, dass für mich beides gemeinsam gilt: das Finden auf der Suche, gewürzt vom Finden ohne Suchen. Mal gibt das eine, mal das andere den Ton an. Dieses Paradox im Leben wie in der Malerei auszuhalten, ist eine große Herausforderung. Aber es lohnt sich, diese anzunehmen.
08.10.09
Nachtrag zu : „Ich suche nicht, ich finde“ von Picasso
Zwar finde ich nur die Worte „Ich suche nicht, ich finde“ im oben zitierten Buch „Über Kunst“, aber heute habe ich wieder in meinen Dateien das ganze Picassozitat gefunden. Woher ich das allerdings habe, keine Ahnung … :
Ich suche nicht, ich finde
Suchen ist Ausgehen von alten Beständen
und ein Findenwollen
von bereits Bekanntem im Neuen
Finden ist das völlig Neue.
Das Neue auch in der Bewegung.
Alle Wege sind offen
und was gefunden wird,
ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis,ein Abenteuer.
Pablo Picasso
Hier habe ich einige Zitate über Kunst ausgewählt, die mich besonders ansprechen oder beschäftigen. Es kommen auch immer mal neue Sprüche hinzu.
In den Kommentaren von khnemo (seinem ersten und dem dritten) werden auch noch etliche, pfeffrige hinzugefügt:
Also los geht’s:
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht wundern,nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.
( Albert Einstein , Einstein sagt, Piper, S. 216)
Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.
(Yves Klein, Hannah Weitemeier, KLEIN, Taschen, S.70; …… vor allem aber Ben Gurion zugeschrieben, siehe dazu den dritten Kommentar von khnemo und meine Antwort darauf)
Wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht 100 Bilder über dasselbe Thema malen.
(Pablo Picasso, Über Kunst, Diogenes, S.112)
Farbe hat wie Licht Anspruch, in der Reihe der Elemente eingestuft zu werden – Feuer, Wasser, Luft, Farbe, Licht und Erde
(Rupprecht Geiger, Zitat in der Neuen Nationalgalerie, Berlin, Sommer 2008)
Nie missachte ich einen inneren Rhythmus. Ich hasse es, irgendetwas zu erzwingen ….
Ich weiß, dass der innere Rhythmus für mich wesentlich ist. Ich höre darauf und halte mich daran.
(Lee Krasner, amerikanische Internetseite)
Wir gelangen zu einer heiteren Ruhe durch die Vereinfachung der Ideen und der Form. Der Einklang ist unser einziges Ideal. Die Details stören die Reinheit der Linien, sie schaden der Intensität des Gefühls, wir verzichten auf sie.
(Henri Matisse, Über Kunst, Diogenes, S.92)
Kunst scheint mir vor allem ein Seelenzustand zu sein.
(Marc Chagall, Mein Leben, Hatje, S.113)
Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.
(bekanntes Wort von Paul Klee)
Kunst ist auch immer ein Diskurs mit der Kunst.
(aus einem Interview mit Magdalena Jetelova, Internetseite)
Kunst ist keine Inspiration, die ich weiß nicht woher kommt, zufällig ihren Weg nimmt und nichts weiter anbietet als das pittoreske Äußere der Dinge. Kunst ist die Logik selbst, vom Genie geschmückt, einem notwendigen Weg folgend und die höchsten Gesetze in sich tragend.
(Yves Klein, Hannah Weitemeier KLEIN, Taschen, S.84)
Das folgende Zitat gibt es in verschiedenen, mehrdeutigen Übersetzungen. Deswegen lasse ich erst einmal das Original zu Worte kommen und übersetze es dann, wie ich es verstehe:
It is something to be able to paint a particular picture, or to carve a statue, and so to make a few objects beautiful; but it is far more glorious to carve and paint the very atmosphere of the day and medium through which we look, which morally we can do. To affect the quality of the day, that is the highest of arts.
(Es bedeutet schon viel, ein bestimmtes Bild zu malen oder eine Statue zu hauen und damit ein paar Dinge zu verschönern; aber es ist viel anerkennenswerter, vor allem die Atmosphäre und das Medium, durch das wir schauen, zu gestalten. Das können wir mit unserer geistigen Haltung. So das Beste aus dem jeweiligen Tag zu machen, das ist die höchste Kunst.)
(Henry David Thoreau, Walden, Penguin Books, S.65)
Niemand fragt danach, ob Beethoven oder Brahms gute oder schlechte Typen waren, man beurteilt sie nach ihrem musikalischen Werk.
(Astor Piazzolla, Erinnerungen, Metro, S.62)
Weißt Du denn, wie hoch-,hochnötig es ist, dass der Kunst ehrliche Leute erhalten bleiben? Ich will nicht behaupten, es gäbe keine, aber Du fühlst selbst, was ich meine, und weißt ebensogut wie ich, dass eine Menge Leute, die malen , großartige Lügner sind … Fast niemand weiß,dass das Geheimnis guter Arbeit zum großen Teil Redlichkeit und ehrliches Gefühl ist.
(Vincent van Gogh, Briefe an seinen Bruder, Anaconda, S.211)
Der Alltag selbst ist übervoll mit Künsten und mit Kunst. Aus jedem Winkel der Erlebniswelt, von der Bankfiliale bis zur U-Bahn-Werbung, springt dich ein Kunstwerk an. Kunst: das ist Blickfang allerorten.
(Botho Srauß, Neue Nationalgalerie, Berlin, Ausstellung Thomas Demand, Sept.2009 bis Jan. 2010))
Wer mir sagen kann, warum ein Bild schön ist, dem bezahle ich eine Flasche!
( Edgar Degas )
Wollt Ihr die Kunst als Schlafmittel oder als Wegweiser? Entscheidet Euch!
(Dieter Hacker, MMZ , 02.07.09)
Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol.
(Oscar Wilde)
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.
(Friedrich Schiller, 2.Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen)
So wird dem Künstler …… vorgeschrieben, was er zu tun und zu lassen, zu fühlen und zu wollen habe, um auf Resonanz rechnen zu können, um „zeitgemäß“ zu sein……. Das wirklich „Zeitgemäße“ erscheint stets anders, als es die Theorie erwartet, denn geschichtliche Erkennnis und das Schaffen von etwas Neuem aus dem Unbewussten der Gegenwart heraus sind zwei prinzipiell verschiedene Akte ………
(Wilhelm Furtwängler, Gespräche über Musik, S.81)
Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen.
(Meret Oppenheim, in Uta Grosenick, Women Artists, S.256)
Ich bringe das, was ich das Organische nenne, mit dem, was ich das Abstrakte nenne, zusammen.
(Lee Krasner, in Uta Grosenick, Women Artists, S. 178)
Mich interessiert die Seele eines Objekts, nicht das Maschinelle daran.
(Rebecca Horn, ibid. S.156)
Ich finde es wichtig, die Aufmerksamkeit auf das Denken und Machen und was sich dazwischen abspielt zu lenken, auf das Leichte und das Schwere, auf die Energie, die zwischen den beiden Polen oszilliert und unser Denken und Leben bestimmt, auf die überall verborgene Energie.
(Magdalena Jetelova, ibid. S.163)









