Gedanken zur Ausstellung Licht, Farbe, Klang (2008)

(Auch wenn meine Ausstellung schon lange vorbei ist, bleibt dieser Eintrag für diejenigen, die sich für die Verbindung von Sehen und Hören, Malerei und Musik interessieren,  aktuell)

Licht, Farbe, Klang,

wen faszinieren diese drei Phänomene nicht? Mit ihnen werden Schwingungen, Wellen, vielleicht auch Stimmungen assoziiert, aber in all ihrer geheimnisvollen Immaterialität sind sie schwer zu fassen.

In unserer Alltagssprache mischen wir sie oft in Wörtern wie „knallrot, knallig bunt“, „schrille, schreiende Farben“ … In der Malerei begegnen uns „Farbtöne “ und „Farbsymphonien“. Wenn Klang zu Musik wird – und das ist in dieser Ausstellung vor allem mit Klang gemeint – können wiederum „Klangfarben“ und „helle oder dunkle Klangbilder“ entstehen.

Bekanntlich gibt es Menschen, für die die Verbindung von Klang und Farbe, Musik und Bild so stark ist, dass sie bei einem Ton eine Farbe sehen oder bei einer Farbe gleichzeitig einen Ton hören (Synästhesie), wobei man heute von einer Bereicherung und nicht mehr von einer Verwirrung der Sinne spricht. Dies betrifft nur wenige Menschen. Schon häufiger tritt das Phänomen auf, dass Menschen bei bestimmten Klängen oder Musikpassagen Licht wahrnehmen. Und ganz oft wollen wir Menschen etwas nicht nur für’s Ohr sondern auch für’s Auge haben.

Auch deswegen werden Bildsequenzen in Filmen, Werbung und in der Computertechnik mit Musik „untermalt“ oder in Klang umgesetzt. Außerdem beschäftigen sich immer wieder Wissenschaftler wie Künstler, oft getrennt, manchmal in Zusammenarbeit, mit den Schnittstellen von Licht, Farbe, Klang. Musiker komponieren Musikstücke zu Bildern (z.B. Mussorgskis Bilder einer Ausstellung). Umgekehrt wurde auch immer wieder versucht, Klang allgemein und eben auch musikalische Komposition in Bilder umzusetzen (Kandinsky, Klee,Kupka …) bis hin zu Mischformen (Yves Klein, John Cage …)

Licht, Farbe, Klang , 2008

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Heutzutage probiert man zwar eher eine Visualisierung von Klang mit Experimenten, Installationen, happenings, Videoclips, Computertechnik … , aber ich möchte bei meinen Bildern bleiben.

Folgende Fragestellungen beschäftigen mich schon seit langem:

Wie kann ich Musik in einem Bild wiedergeben? Wie weit geht das überhaupt? Wo finde ich Parallelen und Berührungspunkte zwischen der dynamischen Musik und der eigentlich statischen Malerei? Wo aber hören die Gemeinsamkeiten auf?

Die Antwort auf diese „alten“ Fragen fällt immer wieder anders und neu aus; denn die künstlerische Umsetzung ist so individuell und subjektiv wie die persönliche Wahr-Nehmung und bleibt ein Versuch wie die Antwort auf die Fragen: Was ist Kunst? Was ist Liebe? Was ist Leben? Und auch der Besucher wird seine eigenen Antworten finden …

Die Ausstellung „Licht, Farbe, Klang“ versucht also eine Annäherung an das Thema aus meinem Blickwinkel und „Hörwinkel“ zu geben. Sie lässt aber auch diesem Impuls in mir, Musik zu malen, freien Lauf … Dabei rückt auch die Rolle der Musik in unserem alltäglichen Leben ins Bild.

Immer wieder treffe ich auch in diesem immateriellen Bereich bei all den Kontrasten und Dissonanzen der Phänomene auf  Verbindung, Verwandtschaft, Harmonie und Schönheit. Lichtstrahlen, Farben wie Klänge können einzeln voll verschieden sein und sich nicht miteinander vertragen, aber gemeinsam mit anderen doch zu einer zauberhaften, symphonischen Einheit zusammenfließen.

Licht, Farbe, Klang … ich hoffe den Besucher dieser Ausstellung für dieses Thema und diese drei Phänomene einzunehmen, zu faszinieren und vielleicht sogar zu berühren.

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Ein Gedanke zu „Gedanken zur Ausstellung Licht, Farbe, Klang (2008)

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