Farbklänge*

 

Das urtümliche Wesen der Farbe ist ein traumhaftes Klingen,        
ist Musik gewordenes Licht.                                                               
(Johannes Itten)

Farben haben einen gewissen eigenen Klang. Synästhetiker können ihn hören, sonst ist er eher spürbar, erlebbar und erfahrbar. Manche sprechen bei dieser Erfahrung vom inneren Auge und vom inneren Ohr …

Allegro, 2012.webb

(Allegro, 2012, Mischtechnik)

Unsere Sinnesorgane filtern die Welt, in der wir leben. Würden wir alles wahrnehmen, würde uns das wahrscheinlich überfordern:

Sowohl Hör- wie Sehsinn liefern uns lediglich Ausschnitte. Physiologen meinen, sie vermitteln nicht nur die Welt, sondern filtern sie auch. Sie informieren uns nur über das Allernotwendigste: über das, was die menschliche Spezies unbedingt gebraucht hat, um in der Evolution überleben und sich entwickeln zu können.
(Das dritte Ohr, Vom Hören der Welt,  Joachim-Ernst Berendt, Verlag der neuen Klangkultur, 2008, S.42)

Schon der Dichter Novalis (1772-1801) war davon überzeugt, dass es eine Bewusstseinsebene gibt, wo alle Sinne zusammenfallen.

.
»Alle Sinne sind am Ende ein Sinn. Ein Sinn führt eine Welt allmählich zu allen  Welten.« (Novalis, in Heinrich von Ofterdingen),

Fällt eine Sinneswahrnehmung aus, gleicht eine andere das meist aus. So kann die Blinde bei Rainer Maria Rilke Farben hören und auch riechen. Sie werden zu Farbklängen  …

Ich muss nichts mehr entbehren jetzt,
alle Farben sind übersetzt                             
in Geräusch und Geruch.
Und sie klingen unendlich schön
als Töne.
(aus Die Blinde von Rainer Maria Rilke)

Das ist unvorstellbar? Eher wohl schwer zu erklären … Es ist nicht in Worte zu fassen.

(Allegro moderato, 2012, Mischtechnik)

Wie fährt doch Johannes Itten nach dem ersten Zitat oben fort?

In dem Augenblick, da ich über Farbe nachdenke,
Begriffe bilde, Sätze setze, zerfällt ihr Duft,                                   
und ich halte nur ihren Körper in den Händen.     

So bleibt dieser Beitrag auch nur ein Versuch über etwas zu schreiben, was sich nicht fassen lässt.

P.S. Ein weiteres Bild der Reihe Allegro befindet sich hier

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For my English-speaking readers:

The sound of colours

The original essence of colour is a dreamlike sound,
it is light having turned into music. (Johannes Itten)

According to these words colours have a certain sound. Some can hear it (synesthesia), others just feel, experience or are aware of it. This phenomenon is sometimes called the inner eye or the inner ear.

Our senses filter the world in which we live. If we were aware of everything around us, it would probably be too much for us.

Ear and eye just show us excerpts of the world. In the opinion of physiologists they convey the world through a filter. They provide us with information that is necessary to cope with life, indispensable for evolution and development.
(Joachim-Ernst Berendt,The third ear- About hearing the world, 2008Verlag der neuen Klangkultur, p.42)

The poet Novalis (1772-1801) was convinced, that there is a level of consciousness , where all senses become one.
At the end all senses are one single sense. One sense gradually leads from one world to all the other worlds. (Novalis, Heinrich von Ofterdingen)

As soon as one sense doesn’t work any longer, another compensates it. So the blind woman in Rainer Maria Rilke’s poem The Blind Woman can hear colours and even smell them. Colours become sounds.

I needn’t  dispense with  anything any longer
all colours are transformed
into sound and aroma
And they sound infinitely beautiful
as sounds

Unimaginable? Rather difficult to explain …something that can’t be grasped with words.
How does Johannes Itten continue his quote above?:

The moment I begin to think about colour,
form definitions and sentences, its aroma falls apart,
and I only hold its body in my hands

So this article remains an effort to write about something that resists being „caught“ by words.

P.S. Here  is another painting of my series Allegro.

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