Haben oder Sein 1?*

(For visitors speaking English below)

Kennt Ihr das Buch „Haben oder Sein“ von Erich Fromm? Obwohl es  schon 1976 erschienen ist, hat es von seiner Aktualität nichts eingebüßt. So wurde es auch nach dem Jahr 2000 schon mehrmals neu aufgelegt! Habt Ihr’s jemals gelesen?

In dieses Buch habe ich mich immer wieder vertieft, fand es immer wieder spannend und dieses Mal machte mich ein Beitrag von Gerda Kazakou wieder darauf aufmerkasam. Ich möchte nun hier einige Gedanken für mich festhalten und mit Euch teilen. Einverstanden?

HABEN und SEIN sind für Erich Fromm zwei grundsätzlich verschiedene Lebenseinstellungen, von denen die Lebensweise des einzelnen Menschen und der Gesellschaft abhängen. Dabei geht es auch um den Erhalt und die Zerstörung der Natur. Meiner Meinung nach wird auch die Haltung zur Kunst dadurch geprägt. Fangen wir heute mit dem HABEN an!

Kleidung, Nahrung, eine Wohnung und so manches mehr sind für unser Leben notwendig. Wir können uns über all das, was wir besitzen, freuen, aber machen wir  uns nicht abhängig davon! Dann hat Besitz uns im Griff. Das kann zu Gier, Macht, Gewinnsucht, Neid, Aggression, ständigem Konkurrenzdruck und Gewalt führen. Da läuft dann etwas grundverkehrt. Das ist die Lebenshaltung, die Fromm HABEN nennt. Und damit hat der Einzelne und unsere Gesellschaft einiges zu tun:

Es nimmt Form an Haben S. 68ff

(Erich Fromm, Haben und Sein 1976, S.68ff)

Und Fromm spricht nicht nur davon; denn auch Menschen und Tiere können als Eigentum angesehen werden, über die ich Macht ausübe, die ich einspanne, manipuliere und als Mittel zum Zweck  ausnutze.  Sogar Freundschaft, Liebe und Ehe können dazu missbraucht werden.

Haben S.83webFromm

( Erich Fromm Haben oder Sein 1976, S.83)

Dieser „Reichtum“, diese Macht trügen; denn die Situation kann sich schneller ändern als gedacht. Besitz bietet kaum die gewünschte Sicherheit:

Haben Fromm s.80

(Erich Fromm Haben oder Sein 1976, S.80)

Wir können das noch besser verstehen, wenn wir uns als Kontrast den Lebensmodus SEIN anschaun. Das geschieht dann im nächsten Beitrag. Gespannt darauf?

For visitors speaking English

Although the psychoanalyst Erich Fromm’s book “ To Have or to Be“  was published in 1976 it hasn’t lost its urgency.  The first edition was in English. I have read it again and again and it’s still a book I can highly recommend.  It might change our lives, our societies and save nature.  You can find a good summary of it in English here at wikipedia. Recently I have taken interest in it again. For myself and my readers to remember, I have chosen quotes from the book to explain and remember the idea of Having and Being and the different consequences. It’s too much work for me to translate all of this, especially as all this has already given me enough work and there’s enough in English to find about it and Google might help you.

 

48 Gedanken zu „Haben oder Sein 1?*

        1. PPawlo Autor

          Liebe Annette, ich freue mich auch sehr! Es passt gut (im übertragenen Sinn) in die Adventszeit und erreicht so mehr Leser! Vielleicht schüren wir noch mehr Feuer für Erich Fromm und das Leben seiner Leser…Danke und liebe Grüße zurück, Petra

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  1. Agnes Podczeck

    Dieses kluge Buch steht schon sehr lange auf meiner Leseliste und Dein Beitrag hat mich wieder daran erinnert, dass und warum ich es endlich lesen muss. Bis ist das Buch zu Lesen begonnen habe, freue ich gern auf Deinen zweiten Beitrag zum Sein.
    Herzliche Grüße
    Agnes

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  2. Random Randomsen

    Ein spannender Beitrag, genau richtig zur alle Jahre wiederkehrenden Zeit der weihnachtlichen Materialschlacht, die soeben im Begriff ist, in die Zielgerade einzubiegen. Weihnachten ist ja inzwischen ein Paradebeispiel dafür, dass der Habenmodus in unserer Gesellschaft Amok läuft. Wobei das Phänomen an sich ja nicht neu ist. Wilhelm Busch hat dies treffend so ausgedrückt: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“
    Auch wenn „haben“ unumgänglich und nicht grundsätzlich „schlecht“ ist – der Mensch hat bis heute ein großes Problem mit der Geburtenkontrolle seiner Wünsche.
    Ganz wesentlich finde ich auch den hier vorhandenen Hinweis, dass der Habenmodus sich nicht auf rein materielle Dinge beschränkt. Jemand kann aus materieller Sicht asketisch leben und sich spirituell ungemein überlegen fühlen. Das ist dann – ganz lapidar ausgedrückt – „same shit, new wrapping“. Dass es so leicht ist, sich in dieser Hinsicht etwas vorzumachen, macht es besonders schwer, sich von der Dominanz des Habenmodus zu befreien.
    Ganz interessant und vielsagend finde ich hier übrigens auch die Hintergrundbilder (oder Bildausschnitte) zu den Texten. 🙂

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    1. PPawlo Autor

      🏆!
      Ja, dass das nicht nur thematisch sondern auch zeitlich so gut rein passt, hatte ich gar nicht geplant, aber „Haben und Sein“ habe ich gleich in 3 Beiträgen bearbeitet und es werden wohl noch 2 weitere, so dass es immmer wieder über alle Beiträge hinweg umgeordnet und bearbeitet wurde, bis, ja bis jetzt zum 1.Advent! 🙂
      Deine Ausführungen sind sprachlich und gedanklich wieder ein Genuss und Anregung zum Weiterdenken! Ich stimme dir da voll zu! So bedanke ich mich ganz, ganz herzlich mit der obigen Trophäe und wünsche dir eine besinnliche, segenreiche Adventszeit! ✨🐻✨

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  3. Ulli

    Eine grossartige Idee! Es ist so lange her, dass ich das Buch gelesen habe, als Gerda davon schrieb, dachte ich schon, dass ich nach ihm Ausschau halten werde, danke für diese Ausschnitte und ich freue mich schon auf die nächsten-
    herzlichst
    Ulli

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    1. PPawlo Autor

      Das freut mich alles sehr! Dein Blog und deine Kommentare haben mich schon oft angesprochen und neugierig gemacht! So folge ich dir jetzt auch sehr gerne und freue mich auf ein Mehr! Herzlich, Petra

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  4. BT!NA

    Lieber Pawlo,
    großartig! Habe mich richtig gefreut, als ich Deinen Titel und dann dieses BlogPost gelesen habe. Ja, ich kenne es auch – möchte demnächst, bevor ich mich detailliert dazu äußern kann, erst wieder reinlesen.
    Vor fünf Jahren habe ich es intensiv gelesen – es hat mich zu tiefst beeindruckt…
    Beste Grüße aus France (Grand Est, ex Alsace)
    bT!NA

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    1. PPawlo Autor

      Super! Es fasziniert mich sehr, immer wieder zu sehen, wie das Buch doch immer noch oder eben gerade jetzt aktuell ist und wie oft es gelesen wird!
      Weißt du, dass du bei mir, Petra mit dem Blog „da sein im Netz“ gelandet bist und mein Link eine Abkürzung meines Nachnamens Pawlofsky ist? Ich hab da auch oft Probleme, wer nun was ist ( so viele Petras und Ulis z.B.) und bis ich alle weiteren Namen für eine Person durchschaue 🙂 Ich freu mich auf Weiteres!

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      1. BT!NA

        Ohhhh, liebe Petra,
        hab‘ DANK für Deine Erklärung mit Deinem Namen – irgendwie hab‘ ich den Pawlow (der mit dem Pawlowschen Hund) im HInterkopf gehabt und deshalb habe ich Dich aus Versehen auch männlich angesprochen, désolée 💕
        Und ich heiße richtig Bettina und kürze meinen Namen immer ein bissl ab.
        Wir bleiben in Kontakt, Petra,
        🌛 🌝 🌜 fais bien dodo 🌛 🌝 🌜
        und hab‘ einen wundervoll entspannten ersten Advent 🌲☃️🌲☃️🌲
        Liebe Grüße bT!NA

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        1. PPawlo Autor

          Na, „pawlo“ klingt ja auch echt männlich, ist aber eben auch eine gute Abkürzung für meinen langen Nacnnamen, auch wenn ich durch und durch weiblich bin 😄
          Ja, bleiben wir in Kontakt! Deinen Blog besuche ich sehr gerne! 🌻

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  5. Ulrike Sokul

    Liebe Petra,
    „Haben oder Sein“ habe ich in der Oberstufe (1982) gelesen und es hat mich sehr angesprochen und sehr mitgeprägt.
    Ich habe gerade mal im Bücherregal nachgeschaut – meine alte, vergilbte DTV-Ausgabe ist voller Unterstreichungen und Aufrufungszeichen in drei Farben … es wäre gewiß aufschlußreich, das Buch erneut zu lesen.
    Lieben Dank für den Relektüreanschubser! 🙂

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    1. PPawlo Autor

      Liebe Bücherfee, „Relektüreanschubser!“: Das ist gut! 🙂 Und ich freu mich, wenn es hier auf meiner Seite für dich noch anregend sein kann, was Bücher angeht! Gerne höre ich von deinen weiteren Eindrücken beim erneuten Herausholen des Buches! Auch die Gliederung durch verschiedene Farbunterstriche interessiert mich! Einfach ein anderer Stift pro Durchgang oder eine thematische Ordnung oder…?
      Liebe Grüße, Petra

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      1. Ulrike Sokul

        Liebe Petra,
        Deine Webseite ist grundsätzlich anregend für mich, nur bei Büchern neige ich einfach leichter zu Kommentaren als bei Bildern.
        Tja, was ich mir da vor 35 Jahren in meiner intellektuellen Sturm-und-Drang-Zeit mit den verschiedenen Farben gedacht habe, werde ich wohl nur noch ansatzweise entschlüsseln können. Auf jeden Fall war es nur ein Lesegang bei dem ich das Buch mit bunten Unterstreichungen „verziert“ habe.
        Herzliche Abendgrüße von Ulrike

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  6. gkazakou

    Liebe Petra, ich finde es wundervoll, dass du meinen Hinweis auf das Buch aufgegriffen und nun auch inhaltlich und formal so schön ausgestaltet hast. Ich freu mich sehr, wenn dieses weise Buch wieder mal in Umlauf kommt, und bin gespannt auf deine Fortsetzung. Gerda

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    1. PPawlo Autor

      Na, das ist natürlich auch auf meiner Seite eine Freude!! 🙂
      Erinnerst du dich an das Zitat von Meister Eckhart, das ich da anführte? „Die Menschen sollen nicht so sehr bedenken, was sie tun sollen, sondern was sie sind ? Das ist für mich eine immer wieder rätselhafte Erklärung für das Buch, die mich auch jetzt weiterhin begleitet. Hab’s gut zum ersten Advent! Liebe Grüße Petra🌟

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  7. Pingback: Haben oder Sein 3* | da sein im Netz

    1. PPawlo Autor

      Das freut mich sehr! Es gibt ein aktuelles Taschenbuch für 10€ 😉 In der letzten Zeit hatte ich auch nur Zugang zum Handy, weil mein Computer einige Tage abgestürzt ist. Er ist jetzt wieder fit, aber doch überfordert (zu wenig Speicher) … Ich weiß jetzt, wie viel schwieriger das mit dem Minicomputer auf dem Handy ist. Zur Zeit arbeite ich einiges nach und ein Besuch auf deiner Seite steht an. Bis bald also und herzlich, Petra

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        1. PPawlo Autor

          Ja, das kann ich jetzt gut nachvollziehen! Aber auch vorher habe ich mich eh immer wieder gefragt, wei du das alles überhaupt schaffst! Das weißt du ja. Ich drück dir die Daumen! Kann der Weihnachtsmann da nichts bringen? 😀

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          1. Sylvia Kling - Lyrikerin/Autorin/Songtexterin

            Der Weihnachtsmann kann kein Internet in das Kaff bringen, wenn sie hier einfach zu blöd sind.
            Die einzige Firma, die es könnte, hat wohl kein Interesse daran, Geld zu verdienen.
            Seit Monaten zieht sich das hier hin und es passiert nichts!

            Ich habe einen super PC und Technik. Aber kein Internet! Ich muss jede 500 MB, um am PC arbeiten zu können, für 3 Euro buchen. 500 MB – das ist ein Lacher!
            Wir könnten 30 GB natürlich über die Telekom monatlich mit Vertragsabschluss buchen.
            Das ist aber keine dauerhafte Lösung, denn eine Datensicherung im Netz benötigt schon 80 GB.
            Heißt: Wir brauchen Flatrate.

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            1. PPawlo Autor

              Ich verstehe deinen Ärger. Ein schnelles Internet wäre für dich und deine Arbeit schon wichtig! Das würde dir Zeit und solchen Ärger ersparen.
              Allerdings war’s bei mir umgekehrt: Mit der Flatrate habe ich alles viel billiger bekommen!? Vorher habe ich für alle und weniger Einzelleistungen viel mehr bezahlt, z.T. das Doppelte.
              Ich drücke dir die Daumen, dass das Problem bald Vergangenheit ist! Liebe Grüße, Petra
              🐞💛🐞

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